Zwischen Rammstein, Haftbefehl, Scooter und Deichkind – Lagebericht vom Highfield Festival 2016

Grüße gehen raus!

Ich war mal wieder unterwegs, diesmal nahe Leipzig beim Highfield Festival 2016.

Das Lineup war fett! Neben so unbekannten Bands wie Rammstein, Scooter, Haftbefehl und Deichkind haben auch Größen der Musikgeschichte gespielt, z.B. Schmutzki und Oli Schulz, NOFX und Madsen.

highfield-festival-fb-vorschau

Als wir das Feld (ja auch auf dem Acker) errechten, überrollte uns eine Staubwolke. Irgendwie haben die Leute es dort geschafft, die Erde des Ackers so fein zu mahlen, dass wirklich überall nur Staub war. Stellt euch das so vor: Man tritt ganz normal mit dem Fuß auf und der Schuh ist grau. Jetzt treten da 35.000*2 Füße auf und das Gelände ist undurchquerbar. Aus irgendwelchen Gründen darf man sein Auto auch nicht mit zum Zeltplatz nehmen, sodass man den ganzen Dreck hucken muss.

Well now, alles aus dem Auto geholt und los gelaufen. Das schwere Gepäck, die unnötig langen Wege, der Staub, die Hitze und die langen Schlangen vor der Bändchenausgabe. Einfach unbegreiflich, wie schlecht ein 18 Jahre alte Festival organisiert sein kann! Wir also jeder mit vollem Gepäck in das Zelt, in dem es Bändchen gab. Alles hingeschmissen vor den Tisch, Band ummachen lassen, alles aufgehoben, weiter.
Dann war da noch die dümmste Aktion, die man hätte erleben können: Es gibt 5€ Müllpfand. Grundsätzlich ja nichts Schlechtes, aber man muss den Müllsack voll kriegen. Bist du zu viert, kriegst vier Müllsäcke, diese aber nicht voll. Ich meine, wie soll man denn in zwei Tagen so viel Müll verursachen?! So was Dummes, ey, ehrlich!

So, weiter durch den Staub gelaufen, eine Frage: Wo hin?
Erster Blick: Alles voll.
Ab zum Rand, da alles abgeklappert. Nichts frei, gelaufen, gelaufen, gelaufen. Nichts frei. Nichts. Es gibt ja auch keine Einweiser, die einen sagen, wo man hin kann.
Stolze 45 Minuten später haben wir uns dann einfach irgendwo dazwischen gequetscht.
Der Platz erschien zunächst gut gewählt, denn Dixies, Wasserstelle, Essen, Trinken und Bühnen waren in unmittelbarer Reichweite.
Von der Seite kam Musik, dort stand die – Achtung, Wortwitz! – Beck’s Stage. Im Prinzip ein Truck zu einem Radiostudio umfunktioniert und die haben das dann auch gleich übern Zeltplatz geplerrt. Auf UKW war es unter 90,8MHz erreichbar.

Feuer, auf zur Bühne, Oli Schulz spielt gleich!
Auf dem – dankenswerter Weise kurzen – Weg dahin wird mir langsam klar: Du bist zu alt für den Scheiß. Das Wort „alt“ kann wahlweise ersetzt werden durch ein Element aus folgendem Array: [ruhig, zivilisiert, normal, spießig, nüchtern];
Vielleicht bin ich auch nur vom Wacken Open Air verwöhnt, aber was da für Gesocks rumgelaufen ist, ist einfach abnormal. Nur Assis! Überall liegt Müll rum (5€ Müllpfand FTW!), alle am Rumkrakelen, pöbeln, saufen. Wie so ein großer Junggesellenabschied. Alles dreckig, staubig, Leute spielen Flunkyball auf dem Weg zur Bühne, überall liegt Müll. Egal, wo man hinsieht, überall liegt Müll. Und Staub. Ich habe noch nie in meinem Leben so einen dreckigen Platz gesehen! Einfach nur ekelhaft.

Vor dem Einlass ins Infield: Körperkontrolle. Körperkontrolle aka „ich fahr dir mal kurz über den Rücken und lass dich einfach durch“. In den ganzen Tagen sind meine Taschen nicht ein einziges Mal kontrolliert wurden. Niemand hat mich gefragt was drin war. Einmal wurde ich sogar so durchgewunken. Was soll die Scheiße? Was ist das für ein Sicherheitskonzept? Leute über Müllberge wandern lassen und von den ganzen Assis wird keiner kontrolliert? Scheiße ist das!
Ein paar mal wurde während des Festivals ein Bengalo (!) in der Menge gezündet und einmal sogar mitten rein geworfen. Und die Security? Die hats wahrscheinlich noch nicht einmal gesehen…

Vor der Bühne. Der Meister Oli Schulz betritt das Feld. Stellt sich und seine Band vor. Klasse Mann!

Leider waren viel zu viele Assis und Hipster da, die die ganze Zeit nur gequatscht haben. Mistviecher, ihr habt alles kaputt gemacht! Wichsfressen!

Der Abend war dann lustig. Scooter hat richtig schön gegrindet. Leider hat man nur den scheiß Staub eingeatmet. Erstmal ne Packung Taschentücher vollgerotzt – mit Erde. Yummi!
Sitzen am Zelt, auf einmal kommt da ein Killerkommando vorbei. Drei Quads mit Kennzeichen IZ (100% waren das die Kisten aus Wacken!) und Leuten steigen ab. Hektisch wird der Zaun an unser Zelt rangerück (vorher war da noch ein Weg dazwischen). Gefragt: Bleibt der so stehen? Antwort: Räumen wir morgen wieder weg. Ist nur wegen dem Partyzelt. PARTYZELT?! Scheiße…
Ziemlich genau 12m von unserem Zelt entfernt steht dieses riesige Zelt…und das hat die ganze Nacht gewummert. Bis früh um 5. Um wenigstens ein bisschen Ruhe zu haben, habe ich mir Taschentücher in die Ohren gesteckt, hat aber nichts gebracht, durch den Bass bin ich auf meiner Isomatte trotzdem auf- und abgesprungen. Dann war Ruhe. Bis um 7, als die schheiß Beck’s Stage wieder angefangen hat. Lange Nacht, geilon.

Wenigstens hatte es geregnet, sodass nicht mehr so viel Staub in der Luft war. Sehr gut!
Den nächsten Tag überspringe ich jetzt mal großzügig, nennenswert war hier nur Rammstein. Leider war die Show wesentlich kleiner als in Wacken damals, was aber vor allem der Bühne geschuldet war. Die Anlage war zwar gut, aber die Bühnen waren viel zu klein. Verglichen mit Wacken war die große in etwa so groß wie die Party Stage und die kleine wie eine Bühne aus dem Zelt. God Damn. Dann haben die da – warum auch immer – „Wellenbrecher“ drin stehen, d.h. aller vielleicht 10m (insgesamt waren es drei) stehen Absperrungen und ein schmaler Streifen dazwischen. Der einzige Nutzen, der mir einfällt, ist, um Croudsurfing zu unterbinden. Das ist nämlich aus unerfindlichen Gründen verboten gewesen und führte zu einem 24h-Infield-Bann. Wirklich wahr!

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Als Rammstein dann durch war mussten alle 35.000 Leute wieder raus. Durch den Eingang. Und mit Eingang meine ich die Dinger durch die man nur einzeln durchkommt. Na hier, Mensch, das kennt doch jeder!!!

Das ist zwar auf dem W:O:A, aber die beim Highfield sahen genauso aus.

Das ist zwar auf dem W:O:A, aber die beim Highfield sahen genauso aus.

Folge: Bildung eines Stillstandes. Nachdem man dann Stunden später da durch war, mussten alle über den einzigen Weg von der Bühne zurück zum Zelt. Und der war voll. Genauso voll wie die Durchlassdinger. Ehrlich gesagt habe ich mich wie bei der Love Parade 2010 gefühlt. Da mal ne ordentliche Panik induzieren!
Ne ehrlich, da gabs keine Möglichkeit auszuweichen. Wären da Leute einfach los gerannt, hätte es sicherlich viele Tote gegeben. Die Veranstalter hatten kein Sicherheitskonzept, weil das Luschen sind. Aber es passt ins Gesamtbild. Keine Ausweichmöglichkeiten, Straße mit Müll gepflastert, naja, ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Am Sonntag dann saßen wir ne Weile an unserem Zelt und hörten der dümmlichen Beck’s Stage zu. Über What’sApp konnte man denen Musikwünsche schicken. Da ich so einen Schwachsinn aber nicht nutze, habe ich ne SMS hingeschickt. Gewünscht habe ich mir „Auf gute Freunde“ von den Onkelz. Das haben die dann tatsächlich vorgelesen und kommentiert: „Ja also, was soll man dazu sagen? Das zieht die Stimmung schon runter. Bitte wünscht euch sowas nicht, das ist echt scheiße, wir spielen das eh nicht.“ Und wir saßen da und haben uns angeguckt. Jaja, klar, Nazi-Band. Genau wie die anderen alle: Krawallbrüder, Frei.Wild, Die Toten Hosen, Rammstein – alles Nazis. Diese linksversifften Spackos in ihrer dämlichen Kabine.
Fette Probs an den, der sich danach Frei.Wild gewünscht hat und noch fettere Probs an die Leute 50m weiter, die dann tatsächlich ein Onkelz-Album in ihre selbstgebaute Anlage gelegt haben. Gibt anscheinend doch noch vernünftige Menschen.

Der krönende Abschluss war dann Deichkind am Sonntag Abend. Deren Bass hat nicht gefickt, deren Bass hat detoniert! Das ganze Konzert war quasi ein Megamix. Richtig geiler Scheiß!
Um der allnächtlichen Massenpanik zu entkommen sind wir schon paar Minuten eher abgehauen und auch ganz gut rausgekommen.

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Fazit: Alles in allem ist das Highfield ein Festival für Assis, linke Spinner und Assis. Achja, linke Assis fühlen sich da bestimmt auch wohl!
Ich empfinde das Festival als eine Gefahr für Leib und Leben, weil man nicht kontrolliert wird und vor allem, weil es anscheinend keinen Plan B gibt. Preis-/Leistung kannste auch vergessen bei 130€ für 3 Tage. Wenigstens waren aber die Dixis recht sauber und der Literpreis mit 8€ für alles war auch ok. Dennoch will ich mit solchen Spinnern von Beck’s nichts mehr zu tun haben, ihr Assis!

Damit ich jetzt nicht nur meckere will ich euch noch was empfehlen.
Ich persönlich kann nur Sachen feiern, die ich voll und ganz gut finde und ich muss euch sagen, dass ich mein Zelt nur jedem an Herz legen kann, der alleine im Zelt schlafen will. Ich habe ein Quechua XL Air 2 Wurfzelt. Der Aufbau ist easy as fuck – hinwerfen. 😀
Der Abbau hat das erste mal fast 2 Tage und einen Haufen Nerven gekostet, aber wenn man genug Videos geguckt hat kriegt man es irgendwann hin. Mittlerweile brauche ich für den Abbau ca. eine Minute. Ist im Prinzip auch ganz einfach, wenn man es verstanden hat. Außerdem hat man schön viel Platz drin, zu zweit mit Sachen wird es aber eng, alleine braucht man in etwa die Hälfte zum Schlafen und kann die andere Hälfte zumüllen. Stand über Nacht im Wasser, weil der gute kill0rz ja wieder ne Plane drunter legen musste, hat aber dicht gehalten und auch das Vorzelt war trocken, obwohl ich die Heringe nicht drin hatte und es sich dadurch vorne etwas angehoben hat. Probs gehen raus an Quechua. Und falls ihr das hier lest, Leute, dann will ich als Gegenleistung was wissen: Wie zum Fick spricht man Quechua eigentlich aus?!

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